Zu Verfügung gestellt von :

Daniela Posada …so ein Theater!
Tel.:02052/80916
damaex(at)web.de
www.saleinad-mundo.de

Sprechtechnik

Allgemeine Hinweise

  • Jeder gesunde Mensch kann sprechen. Sprechtechnik kann Ihnen jedoch helfen, die Möglichkeiten Ihrer Stimme besser einzusetzen und damit sich selbst und Ihre Aussagen noch wirkungsvoller zu präsentieren.

  • Entscheidend beim Sprechen ist, daß es Ihnen leichtfällt und Sie selbst sich dabei wohlfühlen. Die positive Wirkung auf Ihre Kommunikationspartner stellt sich dann von selber ein.

  • Durch sprechtechnisches Training erwerben Sie die Sicherheit, daß Sie sich auf Ihre Stimme und Artikulation immer verlassen können. Sie können jeder Sprechsituation gelassen entgegensehen.

  • Jede Stimme hat ihren eigenen Klang und ihre eigenen Eigenschaften. Sie ist Teil der Individualität ihres Besitzers. Die Übungen und Ratschläge, die in diesem Skriptum zusammengefaßt sind, basieren auf allgemeinen Erfahrungen und müssen stets auf den Einzelfall umgelegt werden. Notieren Sie sich daher bitte alles, was Ihr Sprechtrainer Ihnen persönlich zur Verbesserung Ihrer Sprechtechnik vorschlägt.

  • Es empfiehlt sich, nach Abschluß des Sprechtrainings selbst und anhand der Praxis ("learning by doing") an der eigenen Sprech- und Stimmtechnik weiterzuarbeiten, um deren ständige Verbesserung zu erzielen. Bitte bewahren Sie dieses Skriptum sorgfältig auf, damit Sie bei Unklarheiten immer wieder nachlesen können.

Sprechen im Alltag

·         Wenn Sie Ihre Stimme einsetzen müssen und diese - vor allem morgens - nicht sofort einwandfrei "anspricht", können Sie sich mit einigen Aufwärmübungen (Sprechübungen, Kau- und Summübungen, wie sie während des Sprechtrainings erarbeitet wurden, z.B. "hmmmm", "mumumu", "mamama", "momomo", "mömömö", "mümümü", "mimimi", jeweils bei möglichst weit geöffnetem Kiefer und in tiefer, bequemer Lage) leicht helfen. Auch Atemübungen sind sehr zu empfehlen, vor allem, wenn Sie viel oder vor Publikum sprechen müssen.

·         Sie selbst hören Ihre Stimme niemals so, wie es die anderen tun. Auch eine Tonaufnahme kann verfälschen. Orientieren Sie sich am Feedback, das Sie auf den Gesichtern Ihrer Zuhörer lesen (Aufmerksamkeit vorhanden?). Dazu sollten Sie natürlich Blickkontakt herstellen.

·         Falls Sie zur Selbstkontrolle ein Aufnahmegerät verwenden möchten, empfiehlt es sich, dieses mit Hilfe einer zweiten Person zu testen; gibt es deren Stimme verzerrt wieder, so wird es auch die Ihrige nicht naturgetreu reproduzieren.

·         Je deutlicher Sie sprechen, desto weniger brauchen Sie Ihre Stimme anzustrengen; diese ermüdet weniger leicht und ist daher ausdauernder im Einsatz. Wenn einem Redner zugerufen wird: "Lauter, bitte!", müßte es in den meisten Fällen eigentlich richtiger heißen: "Bitte deutlicher!"

·         Versuchen Sie nach Möglichkeit immer auf die akustischen Gegebenheiten zu achten - und natürlich auf die Sprechsituation, die Kommunikationspartner usw. In manchen besonders "halligen" Räumen sollten Sie Ihre Stimme sogar zurücknehmen, dafür aber äußerst deutlich sprechen.

·         Brüllen und jegliches Forcieren der Stimme sollten vermieden werden; ob Sie von diesen "Mitteln" in bestimmten Fällen dennoch Gebrauch machen möchten, bleibt natürlich Ihre Entscheidung!

·         Jeder Druck auf den Kehlkopf, jedes Pressen, "Schieben", Drücken mit den Halsmuskeln ("Knödeln") usw. sind ungünstig für Stimme und Sprechen - andererseits aber auch das zu gehauchte, unbestimmte, "säuselnde" Sprechen. Ihr Sprechtrainer berät Sie individuell.

·         Manche Menschen ermüden ihre Stimme dadurch, daß sie auch in normalen Gesprächen (Partner nahe, kein Störlärm) oder am Telephon viel lauter sprechen, als es notwendig wäre. Andere wenden beim Sprechen konstant zu wenig Energie auf, sprechen ein Leben lang zu leise und/oder undeutlich und werden heiser, sobald sie einmal ein lauteres Wort sagen müssen.

·         Solange es Sie nicht anstrengt und Sie den richtigen Stimmsitz nicht verlieren (siehe unter "Stimmsitz"), können Sie also durchaus so laut und so viel sprechen, wie Sie wollen: eine gesunde, kräftige Stimme ist ein Naturgeschenk, das benützt werden will! Eine permanent zu leise Sprechweise kann mitunter auf eine (eventuell larvierte, also nicht als solche empfundene) Depression hindeuten.

·         Atmen Sie beim Sprechen ruhig so oft, wie Sie wollen! Sie geraten dann nie außer Atem, und Ihre Zuhörer werden es Ihnen danken, wenn Sie sie keinem verbalen Trommelfeuer aussetzen, sondern Sprechpausen machen.

·         Achten Sie darauf, daß Ihre Kleidung, auch die "elegante", für Sie bequem zu tragen ist und Sie nicht beengt: Ihre Schultern sollten gut beweglich bleiben, der Rock- oder Hosenbund Ihren Bauch nicht einschnüren, sondern Raum für die Tiefenatmung lassen, Ihr Brustkorb sollte sich seitlich weiten können. Auch für Schauspieler empfiehlt es sich, bei der Kostümanprobe zu testen, ob ein Kostüm ihnen Raum zum Atmen und Sprechen läßt.

·         Herren, die Krawatten tragen, sollten besonders darauf achten, daß der Hemdkragen nicht würgt. Leider schwatzen dumme Verkäufer ihren männlichen Kunden immer wieder Hemden auf, die in der Kragenweite genau "passen", dem Hals und dem Adamsapfel also nicht den geringsten Spielraum zum Sprechen lassen - bleiben Sie hartnäckig und kaufen Sie lieber ein Hemd, das ein bis zwei Nummern größer ist. Ein größeres Hemd ist auch im Brust- und Schulterbereich wesentlich angenehmer. Bestehen Sie im Zweifelsfall auf einer Anprobe! Der Kragen sollte nicht zu hoch sitzen, sondern den Hals jedenfalls unterhalb des Adamsapfels locker umschließen. Sie können Ihre Hemdgröße selbst feststellen, indem Sie ein Maßband unterhalb des Kehlkopfs locker um den Hals legen und zum gemessenen Ergebnis mindestens einen Zentimeter dazuaddieren.

·         Überhaupt kann Ihnen die Wahl der Kleidung helfen, besser zu sprechen: Sie werden sich beim Sprechen vor und mit anderen Menschen dann gut und sicher fühlen, wenn Sie Kleidung tragen, in der Sie sich wirklich wohlfühlen und sich selbst chic finden.

·         Sprech- und Kommunikationshemmungen können Sie langsam abbauen, indem Sie sich immer wieder Situationen aussetzen, in denen Sie vor oder mit anderen Menschen, auch wildfremden, sprechen. Allzu große Verschämtheit können Sie bekämpfen, indem Sie an einem Nacktbadestrand urlauben oder eine gemischte Sauna besuchen. Fühlen Sie sich beim Sprechen vor Angst oder Respekt wie gelähmt, dann stellen Sie sich Ihr Gegenüber oder Publikum einfach pudelnackt vor - lachen Sie aber nicht plötzlich los!

·         Die Themen Lampenfieber und Entspannung werden weiter unten unter "Stimmhygiene" abgehandelt.

Sprechen in größeren Räumen ohne Mikrophon

  • Müssen Sie ohne Mikrophon in einem größeren Raum sprechen, so steigern Sie nicht so sehr die Lautstärke, sondern vor allem die Deutlichkeit, achten Sie auf Mundöffnung, Atmung und Stimmsitz (siehe unten) und lassen Sie Ihre Worte im Raum ausklingen.

  • Wenn Sie selbst sich innerlich "laut" hören, muß dies nicht unbedingt Tragfähigkeit nach außen bedeuten. Umgekehrt können Sie mit Ihrer Stimme einen Raum füllen, ohne daß es Ihnen subjektiv sehr laut vorkommt! Orientieren Sie sich also lieber an den Zuhörern (siehe oben) und an dem Nachhall Ihrer Stimme, den Ihnen größere Räume zurückwerfen.

  • Für das Sprechen (oder Singen) in größeren Räumen wurde der Begriff der Stimmprojektion entwickelt: Der Sprecher versucht, seine Stimme bis in die letzten Winkel des Raums zu projizieren - wohlgemerkt nicht durch Schreien, sondern durch müheloses Vom-Körper-Wegsenden. Stellen Sie sich bitte vor, daß jedes Wort und jeder Laut bereits in dem Moment, in dem sie sie sprechen, weit weg von Ihnen an der gegenüberliegenden Wand des Saales erklingen, Sie eigentlich dort sprechen und nicht in Ihrem Körper. Hilfreich kann auch die Vorstellung sein, daß Ihr Kopf sich von der Schädeldecke weg über den Plafond bis zur gegenüberliegenden Wand und diese hinunter erstreckt, Sie den Raum mit Ihrem Kopf und Ihrem Mund sozusagen umschließen und Ihre Stimme diesen Weg mitmacht. (Siehe auch unter "Stimmsitz".)

Sprechen mit Mikrophon

  • Verstärkungsanlagen können beim Sprechen vor Publikum eine große Erleichterung darstellen. Grundsätzlich sollten Sie jedoch in der Lage sein, innerhalb eines gewissen Rahmens auch ohne Mikrophon auszukommen: Anlagen können nämlich defekt oder in manchen Fällen einfach nicht vorhanden sein.

  • Wenn Sie eine Saalanlage zum ersten Mal benützen, machen Sie bitte nach Möglichkeit vorher immer eine Akustik- und Mikrophonprobe!

  • Bei dieser Probe stellen Sie bitte fest, wie die Anlage auf Zischlaute ("s", "sch", auch in "z", "tsch" usw.) sowie auf die behauchten Verschlußlaute "p", "t" und "k" reagiert. Falls Sie diese Laute sonst sehr kräftig aussprechen (wie es für das Sprechen vor Publikum ohne Mikrophon, etwa im Theater, sehr zu empfehlen ist), sollten Sie sie vor dem Mikrophon eher zurücknehmen.

  • Bei der Mikrophonprobe stellen Sie bitte auch den idealen Abstand zum Mikrophon fest; achten Sie bitte darauf, daß dieses in der für Sie richtigen Höhe eingestellt wird und Sie keine "Bücklinge" machen müssen, sondern aufrecht stehen oder sitzen können.

  • Grundsätzlich muß auch vor dem Mikrophon sehr deutlich und verständlich gesprochen werden. Die elektronische Anlage verstärkt nämlich unsere gesamte Sprache und daher auch alle Schlampereien.

  • Zum Husten, Schnaufen, Räuspern oder Schneuzen gehen Sie bitte möglichst auf Distanz vom Mikrophon.

Sprechen am Telephon

  • Wenn Sie viel telephonieren müssen und sich dabei mit stimmlichen Problemen konfrontiert sehen, dann beachten Sie bitte, daß Sie am Telephon nicht laut, sondern lediglich deutlich sprechen müssen, sofern Sie den Mund nicht zu weit von der Sprechmuschel entfernen.

  • Eine verbreitete Unsitte ist es, am Telephon mit überhöhter Stimme zu sprechen. Dies kann die Stimme sehr ermüden, vor allem, wenn viel telephoniert wird. Bleiben Sie am Telephon bitte unbedingt in Ihrer Indifferenzlage (siehe unter "Sprechlage") - sicher wissen Sie selbst, wie unangenehm es sein kann, wenn eine zu hoch eingestellte Stimme aus dem Hörer klingt.

Stimmhygiene

  • Ihre Stimme ist ein sensibles Organ. Wenn Sie sie beruflich viel einsetzen müssen, gönnen Sie ihr Aufmerksamkeit und Pflege.

  • Jede Heiserkeit sollte nach drei Tagen vom praktischen Arzt, bei Ausbleiben einer Besserung von einem Facharzt für Hals-, Nasen-, Ohrenerkrankungen, in weiterer Folge von einem HNO-Arzt mit Spezialisierung auf Phoniatrie (Stimmkunde) behandelt werden.

  • Der Facharzt für die Stimme ist der Phoniater. Phoniatrische Ambulanzen gibt es in manchen größeren Krankenhäusern (Wien: AKH, Barmherzige Brüder). Die Untersuchung der Stimmbänder erfolgt mittels eines Kehlkopfspiegels und ist vollkommen ungefährlich und schmerzlos. Eine phoniatrische Untersuchung sollten Sie dann in Anspruch nehmen, wenn beim Sprechen ständig stimmliche Probleme, z.B. rasche und anhaltende Heiserkeit, auftreten.

  • Bei Stimm- und Sprechstörungen kann der Facharzt eine logopädische Therapie verordnen. Eine solche ist bei starken Artikulationsfehlern, bei Sprach- und Sprechstörungen nach Schlaganfällen oder Unfällen, bei Stottern, Poltern (zu schnellem und zugleich undeutlichem Sprechen) jedenfalls indiziert.

  • Vermeiden Sie jede Überbelastung Ihrer Stimme. Ihr Kehlkopf sagt Ihnen, was ihm guttut und was nicht. Bei Erkältungen und Infektionen, die mit Heiserkeit verbunden sind, sollten Sie den Einsatz Ihrer Stimme auf das absolut notwendige Minimum beschränken. Flüstern ist in solchen Fällen übrigens keine Hilfe, sondern schadet mehr als das normale Sprechen.

  • Wenn durch Überforderung der Stimme (z.B. Schreien auf dem Fußballplatz) Heiserkeit eingetreten ist, so legt sich diese im Normalfall binnen Stunden, sofern der Stimme Ruhe gegönnt wird. Eine bereits heisere Stimme sollte nicht weiter strapaziert werden, vor allem darf die Heiserkeit nicht durch immer größeren Kraftaufwand ausgeglichen ("überschrieen") und so womöglich tage- und wochenlang weitergeschleppt werden. Wird eine durch Überbelastung hervorgerufene Heiserkeit chronisch, so ist große Vorsicht geboten, da sich Stimmbandknötchen (sog. Sänger- oder Schreiknötchen) bilden können, die u. U. operativ entfernt werden müßten.

  • Rauch, Staub, trockene Luft und mangelndes Trinken können die Leistungsfähigkeit Ihrer Stimme vorübergehend empfindlich herabsetzen. Achtung bei Klimaanlagen! Gegen zu trockene Raumluft können Luftbefeuchter oder ganz einfach ein nasses Handtuch auf dem Heizkörper helfen.

  • Rauchen kann Ihre Stimme dauerhaft belasten. Manche Raucher leiden, ohne es zu wissen, an einer chronischen Reizung der Stimmbänder. Im Zweifelsfall kann der Facharzt Klarheit schaffen.

  • Schwarztee, Kaffee und Alkohol entziehen dem Körper Wasser und können daher, in größeren Mengen genossen, auch auf den Feuchtigkeitshaushalt der Stimmbänder ungünstig einwirken.

  • Bei alkoholischen Getränken ist besondere Vorsicht geboten: Ein Gläschen Bier oder Wein vor einem Sprech-Auftritt (Rede o.a.) schadet zwar nicht Ihrer Stimme; wenn Sie sich aber daran gewöhnen, Lampenfieber oder Sprechhemmungen mit Alkohol zu bekämpfen, geraten Sie in eine gefährliche Abhängigkeit. (Schauspieler: Achtung!) Falls Sie unter Nervosität oder Auftrittsangst leiden, bemühen Sie sich bitte um eine Entspannungstechnik (Yoga, Autogenes Training, Muskelentspannung nach Jacobson) oder versuchen Sie es mit ausgiebigem Sex; auch die Atemübungen, die in diesem Skriptum beschrieben sind, können Ihnen bei der Entspannung helfen. Medikamentöse Beruhigungsmittel sollten Sie nur nach sorgfältiger Absprache mit dem Facharzt zur Anwendung bringen - im Zweifelsfall: Finger weg!!

  • Scharfe Lutschbonbons (Eukalyptus, Pfefferminz, Menthol usw.) enthalten ätherische Öle; diese trocknen über die Atmung die Stimmbänder aus und können sich daher - entgegen allen Verheißungen auf der Verpackung! - ungünstig auf die Sprechleistung auswirken. Gleiches gilt für Eukalyptusinhalationen. Harmlos hingegen sind z.B. Malzbonbons. Direkt erreichbar sind die Stimmbänder (Stimmlippen) allerdings nur auf dem Wege der Inhalation oder durch Aufträufeln einer heilenden Substanz durch den Arzt.

  • Eine belegte Stimme kennt jeder. Das übliche Räuspern, bei dem die Stimmlippen fest geschlossen und dann mit Gewalt auseinandergesprengt werden, ist für empfindlichere Stimmen aber nicht zu empfehlen. Besser ist es, den Schleim vorsichtig abzuhusten; am schonendsten tun Sie dies, wenn Sie den Kiefer weit öffnen, die Lippen jedoch geschlossen halten ("Pferdegesicht") und "hmm, hmm" machen, wobei Sie die Stimme in die Nasenwurzel gehen lassen.

  • Ihre Stimme ist auch ein Spiegel Ihrer Seele. Probleme, innere Spannungen, Streß, Nervosität, Angst, Unlustgefühle usw. können sich sehr leicht "auf die Stimme schlagen" (z.B. als Knödelgefühl im Hals), es kann einem diese sogar "verschlagen". Mitunter sind Stimmprobleme ein Zeichen dafür, daß der Betroffene in seinem Leben einiges ändern und umstellen sollte.

Sprechlage (Indifferenzlage)

  • Die Feststellung der für den jeweiligen Sprecher idealen Sprechlage (Sprechhöhe, Stimmhöhe) ist eines der heikelsten Probleme des Sprechunterrichts. Ständiges Sprechen in einer ungünstigen, meistens zu hohen Lage zählt zu den häufigsten Ursachen von Sprech- und Stimmproblemen.

  • Jede Stimme hat von Natur aus eine bestimmte Lage, die sich aus der Anatomie der Stimmbänder ihres Besitzers ergibt. Beim Singen kann die Stimme in ihrem vollem Umfang nach Höhe und Tiefe verwendet werden, das Sprechen ist nur im tieferen Bereich des Tonumfanges möglich. Für jede Stimme gibt es beim Sprechen einen Bereich von wenigen Tönen, in dem sie bei minimaler Anstrengung (Kraftaufwand) die maximale Leistung (an Klang und Ausdauer) liefert, die sogenannte Indifferenzlage.

  • Diese Indifferenzlage ist normalerweise im untersten Drittel des Gesamtumfangs einer Stimme angesiedelt, die genauere Bestimmung ist jedoch nicht immer einfach.

  • Viele Menschen überschreiten beim Sprechen die Indifferenzlage nach oben. Sie sprechen fallweise oder permanent zu hoch, ohne sich dieses Problems überhaupt bewußt zu sein. Sie haben sich an diese für sie eigentlich unnatürliche Sprechweise und deren Klang so gewöhnt, daß ihnen überhaupt nicht in den Sinn kommt, tiefer zu sprechen.

  • Gründe für ständiges Zu-hoch-Sprechen können sein: Gewohnheit, eventuell bereits Übernahme von den Eltern; Unterwürfigkeit/"Nettigkeit" gegenüber den Kommunikationspartnern; bei Frauen auch unbewußtes Festhalten an der Mädchenstimme. (In der Pubertät mutiert die Mädchenstimme ungefähr eine Terz nach unten, was der Trägerin oft nicht einmal klar ist; beim Knaben kann der Stimmbruch eine Veränderung von über einer Oktave bedeuten, was dem Träger keinen Zweifel über die Andersartigkeit seiner neuen Stimme läßt!)

  • Die Gründe für fallweises Zu-hoch-Sprechen sind meist Nervosität oder der Versuch, durch Höherstellen der Stimme eine größere Lautstärke abzuzwingen. Bei manchen Personen steigt die Stimme auch im Laufe des Tages, verbunden mit intensiver Beanspruchung, immer mehr in die Höhe.

  • Probleme ergeben sich daraus, daß ein längeres Überschreiten der Indifferenzlage die Stimme über Gebühr beansprucht und sich in Heiserkeit, Spannungsgefühl im Kehlkopf (dieser steigt bei ungeschulten Stimmen beim zu hohen Sprechen nach oben und kann nur mehr durch "Drücken" gehalten werden), Engegefühl im Hals (Sprechen und Artikulieren fallen schwerer) und oft unschönem (süßlich-zirpendem oder gepreßt-schrillem, "hysterischem") Sprechton zu Buche schlägt. Eine für die jeweilige Person zu hoch eingestellte Sprechstimme erzeugt auch bei den Zuhörern oft unwillkürlich Unbehagen, während tieferes Sprechen beruhigt und Vertrauen erweckt.

  • Steigerunug der Lautstärke sollte also nicht durch Höherstellen der Stimme erzeugt werden, sondern es sollte jedenfalls auch die Deutlichkeit erhöht werden und die Klangsteigerung selbst durch richtigen Atem, Öffnen des Mundes, vorderen Stimmsitz (manchmal wird auch der Begriff "Resonanz" verwendet) und Stimmprojektion erzeugt werden.

  • Die Indifferenzlage kann bei gesangstechnisch nicht geschulten Stimmen festgelegt werden, indem man vom (mit Hilfe eines Klaviers festgestellten) tiefsten Gesangston fünf Halbtonschritte nach oben geht. Diese Methode kann in manchen Fällen jedoch auch zu einem völlig falschen Ergebnis führen!

  • Eine andere Feststellungsmethode besteht darin, die betreffende Person nebenher nach einer völlig belanglosen Sache, z. B. der Uhrzeit, zu fragen. Hat man Glück, so antwortet die Person, da sie kaum viel dabei denkt, in ihrer Indifferenzlage.

  • Eine weitere Methode besteht darin, die betreffende Person zunächst den höchsten Ton summen zu lassen, der gerade noch angenehm erreichbar ist, dann ebenso den tiefsten, und daraufhin einen in der Mitte zwischen beiden liegenden - im Idealfall ist mit diesem mittleren Ton die Indifferenzlage gefunden.

  • Für das Feststellen der Indifferenzlage erscheint im Zweifelsfall die Hilfe eines erfahrenen Sprechlehrers oder eines Logopäden sehr sinnvoll. Wenn Sie beim Sprechen nie Probleme haben, dann sprechen Sie vermutlich sowieso in der für Sie richtigen Lage. Sollten sie Probleme haben, dann versuchen Sie tiefer zu sprechen - wenn es angenehmer ist und Sie weniger anstrengt, dann haben Sie bisher zu hoch gesprochen. Bleiben Sie in diesem Fall also bitte tief. Haben Sie keine Angst davor, man hört Sie wahrscheinlich viel besser als vorher.

  • Zu beachten ist, daß das tiefere oder tiefe Sprechen nicht erzwungen werden darf, z. B. durch Druck auf den Kehlkopf. Auch das Mitschwingen (die "Resonanz") des Brustkorbs darf keineswegs forciert werden. Die Stimme soll nicht künstlich tief gestellt werden und dem Röhren eines Hirsches oder dem Brummen eines Bären ähneln, das Sprechen soll lediglich durch Auffinden der natürlichen Lage angenehm und anstrengungsfrei vor sich gehen können. Sollte sich durch tieferes Sprechen plötzlich ein unangenehmer Kehlton (Enge im Hals, kratziger Ton, Gefühl des "Hinten"-Sprechens) einstellen, dann ist besser weiterhin die gewohnte Lage zu verwenden. Auch vor einem salbungsvollen, onkel- bzw. tantenhaften Tonfall, wie er sich bei zu tiefem Sprechen fast von selbst einstellt, muß in diesem Zusammenhang gewarnt werden.

  • Grundsätzlich brauchen Sie nicht sklavisch auf einer bestimmten Sprechhöhe zu verharren. Melodiöses Sprechen wirkt sicher interessanter und sympathischer als monotones, Sie sollten nur nach Möglichkeit Ihre natürliche Lage nicht verlassen. Im übrigen schwankt die Sprechhöhe auch je nach Kommunikationssituation ein wenig - zu einem Kind sprechen wir im Idealfall freundlich und daher etwas höher. Manche Menschen passen sich der Sprechhöhe ihres Kommunikationspartners an; falls dies bei Ihnen der Fall ist, sollten Sie trainieren, in Ihrer eigenen Lage zu bleiben.

Atemübungen und Stütze

  • Führen Sie bitte immer wieder die Atemübungen durch (bis zum sicheren Beherrschen der Zwerchfellatmung mindestens 10 Minuten täglich!!), die Ihr Sprechtrainer mit Ihnen erarbeit hat, vor allem:

  • Die Ruheatmung (im Liegen, Sitzen, Stehen): beim Einatmen (bei dieser Übung durch die Nase) weiten sich der Bauch und die Flanken (untersten Rippen), beim Ausatmen gehen sie zurück. Die Schultern werden beim Einatmen NICHT gehoben - die flache Hochatmung ("Schlüsselbeinatmung", Streßatmung) sollten Sie auf die Dauer zugunsten der Bauch(Zwerchfell)atmung ganz aufgeben.

  • Besonders deutlich können Sie die Zwerchfellatmung spüren, wenn Sie beim Sitzen mit dem Gesäß nach vor gehen, mit dem Rücken aber angelehnt bleiben ("schlampig sitzen") und nun die Hände auf den Bauch legen; ebenso, wenn Sie aus dem normalen Sitzen heraus den Oberkörper nach vor beugen, bis Sie auf Ihre Knie schauen, und nun die Hände in der Gegend des sog. Nierenspecks, Handballen an den unteren Rippen, anlegen und gegen die Hände, bis in die Popobacken, atmen.

  • Beobachten Sie die Zwerchfellatmung bei Babies und Säugetieren, z.B. Katzen! Beobachten Sie bitte an sich selber die unwillkürliche Zwerchfelltätigkeit beim Lachen, Husten, Weinen, Seufzen, Niesen und beim Schluckauf.

  • Wer die Bauchatmung richtig ausführt, kann sich an der Hechelübung versuchen: mit einem Ausatmen beginnend, wird wahlweise schnell oder etwas langsamer gehechelt, beim Einatmen kommt der Bauch heraus, beim Ausatmen geht er hinein - keinesfalls umgekehrt!! Die Zunge darf aus dem Mund gestreckt werden. Diese Übung sollten Sie nicht bei Erkältung oder in zu kalter Raumluft ausführen. Wie bei allen Atemübungen gilt: Bevor Sie schwindlig werden, bitte aufhören - es brauchen keine Rekorde aufgestellt werden!

  • Tief nach unten bis zum Schambein Luft holen (durch die Nase oder Mund/Nase kombiniert), langsam und gleichmäßig auf "f" oder "s" auslassen, dabei langsam, von ganz unten beginnend, die Bauchdecke nach innen und oben gehen lassen und gleichzeitig zurückhalten, die Brust bleibt aufrecht, in der Höhe des Magens ist noch immer eine Spannung ("Schwimmreifen") spürbar, wenn die Bauchdecke schon ganz eingezogen ist.

  • Das gleiche, aber auf dem einen langen Atem langsam und regelmäßig bei sonorer Tongebung ("glockig") bis 10 (oder weiter) zählen.

  • "f" bzw. "s" und das Zählen auch mit senkrecht nach oben gestreckten Armen, langsam mit den gestreckten Armen nach vorne gehen, bis der Oberkörper nach unten geklappt ist und die Arme vor dem Körper nach unten hängen. Die Beine bleiben durchgestreckt.

  • Bei senkrecht nach oben gestreckten Armen durch die Nase oder Mund/Nase kombiniert schnell und kräftig Luft in den Bauch nehmen und diese durch kräftiges Einziehen der gesamten Bauchdecke über den vorgestülpten Mund hörbar ausstoßen oder ausblasen.

  • Das gleiche, aber durch Einziehen der Bauchdecke bei weit geöffneten Mund und leicht debilem Gesichtsausdruck einen nicht zu hohen kurzen Ton auf "a" oder "o" (auch "ha", "ho", "hö") aus dem Gesicht nach außen werfen. Die Zunge liegt dabei ganz locker im Mund und berührt ohne Druck die unteren Schneidezähne.

  • "p", "t", "k", "sch", "pscht" kräftig (und behaucht!) mit Einziehen der Bauchdecke, die sofort nach außen zurückschnellt (also neu Luft holt).

  • Schnüffelübung: Halten Sie sich bitte mit einer Hand eine duftende Blume unter die Nase (im Mangelfall Blume und Duft bitte vorstellen) und stechen Sie mit dem ausgestreckten Zeigefinger der anderen Hand zirka auf halber Strecke zwischen Solarplexus und Nabel gegen ihren Magen. Schnüffeln Sie nun genießerisch den Duft ein, so daß Ihnen der Magen stoßweise immer weiter herauskommt. Der eingeatmete Duft soll (auch wenn er nur vorgestellt ist) tief im Körper ein erfrischendes Gefühl erzeugen.

  • Babyschreien: Durch Anwendung der natürlichen Zwerchfellstütze können Babies stundenlang und sehr laut schreien. Versuchen Sie das Schreien eines Babies zuerst im Liegen, dann im Stehen nachzuahmen: Beim Schreien wird der Bauch stark eingezogen, beim wimmernden Luftnachholen kommt er wieder heraus, wird aber zum Weiterschreien sofort wieder angezogen. Ein längerer Plärrton wird durch ein entsprechend verlängertes, tieferes Einziehen des Bauches erzeugt. Bitte versuchen Sie durch kurze Wimmerlaute, unterbrochen durch stoßweises, wimmerndes Luftnachholen, den Punkt zu spüren, an dem der Kontakt zwischen Bauchdecke/Zwerchfell und Stimme zustandekommt. Er liegt ungefähr auf Höhe des Magens im Körperinneren (Vorstellung). Von diesem Punkt aus ist auch die Sprechstimme zu "stützen". Beim Babyschreien ist wichtig, daß der Kiefer locker geöffnet wird, die Zunge locker im Mund liegt und vorn die unteren Schneidezähne berührt und das Schreien die Stimme nicht anstrengt. Das Schreien wird nicht durch Verengung im Hals, sondern ausschließlich durch den Atem erzeugt!

  • Stütze der Stimme heißt, daß das Sprechen immer mit einer leichten Spannung der (mit dem Zwerchfell koordinierten) Bauchdecke verbunden ist, die mit der Sprache langsam (beim lauten Rufen schnell) nach innen und oben geht und somit die Stimme auslöst, führt, trägt und federnd abbalanciert. Bei einem Explosivlaut müssen Sie einen kräftigeren Stoß geben, sonst genügt ein steter Kontakt zwischen Bauchdecke bzw. Zwerchfell und der Stimme, die in und vor Ihrem Gesicht "sitzen" sollte (siehe unter "Stimmsitz").

  • Der Bauch wird beim Sprechen also leicht an- bzw. eingezogen, nur beim Einatmen wird kurz losgelassen, damit er wieder nach außen gehen und damit Luft nachholen kann. Zum Weitersprechen wird sofort wieder leicht angezogen, damit sich der Kontakt zwischen Zwerchfell und Stimme wieder herstellt. Grundsätzlich wird mit WENIG LUFT gesprochen, so daß diese Bewegungen der Bauchdecke beim normalen Sprechen durch die Kleidung praktisch nicht zu sehen (wohl aber vom Sprechenden vor allem IM Körper zu spüren!) sind.

  • Wenn Sie sich mit dieser Stützfunktion vertraut machen, sie immer wieder ausprobieren und bewußt anwenden, so wird sie allmählich automatisiert und gleichsam zur zweiten Natur - eigentlich war sie sogar die allererste!

  • An der Stütze der Stimme sind auch die unteren Rippen beteiligt (Flankenatmung, -stütze). Wird der Brustkorb nicht einigermaßen aufrecht und in seinem unteren Teil leicht (!) nach außen gedehnt gehalten, so kann keine Stütze zustandekommen, da das Zwerchfell für seine Spannung keinen Widerstand findet. Eine isolierte "Bauchstütze" ohne Mitarbeit des restlichen Oberkörpers würde also nicht funktionieren! (Das Heben der Schultern bleibt von der Sprechatmung aber jedenfalls ausgeschlossen!)

  • Beim lauten Sprechen, beim Rufen und bei "Ausbrüchen" im Schauspiel sollte UNBEDINGT gestützt werden; die Flankenatmung kann entsprechend verstärkt, die Bauchmuskulatur sehr stark gespannt und der Bauch - je nach gewünschter Sprechlänge und Lautstärke - gehalten oder stark nach innen gezogen werden. Lehrmeister ist auch hier das schreiende Baby.

  • Wenn Sie normalerweise mit zuviel Kraft sprechen und sich dadurch heiser machen, können Sie mithilfe der Stützfunktion den Krafteinsatz regulieren, indem Sie die ohnehin dosiert eingeatmete Atemluft kontrolliert abgeben und eher leicht zurückhalten.

  • Beim Sport oder beim Operngesang können Sie die sog. Vollatmung zur Anwendung bringen. Sie kombiniert eine maximale Ausdehnung der Atmung nach unten (Bauchraum, vorne bis zum Schambein, hinten bis zum Popo), zur Seite (Flanken, Rippen, Brustkorb) und nach oben (oberer Brustbereich, Schultern). Mit Hilfe dieser Atmung und sehr verlangsamter und vollständiger Ausatmung kommt ein Langstreckenläufer mit vier Atemzügen pro Minute aus. Sie können die Vollatmung auch bei der sog. Schranz-Hocke aus der Skigymnastik ausprobieren: Mit dem Rücken gegen Türstock oder Wand zwei Minuten in Hockstellung (Ober- und Unterschenkel streng im rechten Winkel!) verharren, die Atmung vor allem im Rücken und Po-Bereich spüren (die Weichteile drücken sich gegen die Wand), die Atemluft nach kurzem Anhalten langsam und vollständig ausblasen. In der zweiten Minute können Sie versuchen, mit vier Atemzügen auszukommen. 
    Achten Sie bei den Atemübungen und beim Sprechen bitte nach Möglichkeit auf die aufrechte Haltung des Oberkörpers und Kopfes, den Sie sich in seinem Scheitel wie an einem senkrechten Faden angehängt vorstellen sollten. Ein zu weit nach hinten gelegter oder nach vorne hängender Kopf stellt eine Abweichung von dieser Idealhaltung dar. Die Brust sollte "hoch" und frei sein, die Schultern jedoch keinesfalls gehoben oder "militärisch" nach hinten gedrückt werden, sondern locker ausgependelt nach unten hängen.

Deutlichkeit / Artikulation

  • Obwohl Sie natürlich nicht jedes Wort, sondern nur die wichtigen, "neuen" Wörter eines Satzes betonen, sollte doch JEDER LAUT Ihrer Sprache deutlich sein - NICHTS DARF "VERSCHLUCKT" WERDEN!!!

  • Ausnahmen bilden nur das "e" in bestimmten Endsilben und bestimmte End-"r", die zwar geschrieben, aber nicht mehr gesprochen werden. Ebenfalls nicht gesprochen wird das stumme "h" (gehen, ziehen). Ihr Sprechtrainer wird Sie bei der Wahl der für Ihren Anwendungsbereich idealen Deutsch-Lautung (Hochlautung, österreichisches Deutsch, Umgangssprache usw.) beraten und klären, welche Laute Sie "unter den Tisch fallen" lassen sollten.

  • Wichtig ist, daß sowohl runde, klingende, plastische, eher dunkel gefärbte Vokale als auch deutliche, präzise Konsonanten gesprochen werden. Jedes Ungleichgewicht zwischen Vokalen und Konsonanten (Nuscheln resp. "überdeutlich" sprechen) kann sehr leicht lächerlich wirken!

  • Eine lockere, unverkrampfte Einstellung von Hals- und Zungenmuskulatur und Unterkiefer sowie ein lockeres Öffnen des Mundes (auch "innen"!) sind für die Bildung gut klingender Vokale und Konsonanten unerläßlich.

  • Der weitaus größere Teil der Menschen, die wegen Sprech- und Stimmproblemen einen Trainer konsultieren, macht beim Sprechen den Mund nicht weit genug auf! Wenn es auch unmöglich und sinnlos ist, diesen aufzureißen wie ein Krokodil, so muß er doch für JEDEN Vokal, der artikuliert wird, eigens entsprechend geöffnet werden: am weitesten für ein "a", am wenigsten für ein "i". Orientierungswert ist zum mindesten jene Öffnung, die sich bei völligem Lockern der Kiefermuskeln einstellt. Beim klassischen Gesang oder beim Sprechen in großen Räumen muß entsprechend mehr geöffnet werden!

  • Eine häufig gestellte Frage betrifft die Aussprache des "r". Keine Sorge: Sie können es im Deutschen sowohl vorne (Zungenspitzen-"r", wie im Italienischen oder Spanischen) als auch hinten (Zäpfchen-"r", wie im Norddeutschen oder im Französischen) aussprechen und sogar beide Varianten nebeneinander verwenden. Aus stimmbildnerischer Sicht ist dem Zungenspitzen-"r" der Vorzug zu geben, da es die Stimme nicht "absperrt". Am Wort- oder Silbenende wird das "r" in vielen Fällen gar nicht mehr gesprochen (Vater, erklären) - siehe oben!

  • "p", "t" und "k" können im Deutschen und Englischen kräftig und behaucht ausgesprochen werden. (Die Behauchung ist in vielen anderen Sprachen, z.B. den romanischen und slawischen, nicht anzuwenden.) Beachten Sie bitte, daß im Deutschen durch Auslautverhärtung am Wort- und Silbenende die Buchstaben "b", "d" und "g" (außer bei "-ng") stets hart, also wie "p", "t" und "k" ausgesprochen werden: "Tag" klingt daher wie "Tak", "abstellen" wie "apstellen", "Rad" wie "Rat". ("Amtsrad" und "Amtsrat" sind in der Aussprache also nur durch die Betonung zu unterscheiden; aber: "des Tages", "des Rades" usw.)

Stimmsitz

  • Stellen Sie sich bitte vor, daß Ihre Stimme in und noch vor Ihrem Gesicht ("Maske"), an der Nasenwurzel, in den Backenknochen, vor dem Munde sitzt und dort klingt und nach außen abstrahlt. Je größer ein Raum ist, desto mehr müssen Sie sich Ihre Stimme bereits VOR Ihrem Gesicht, also außerhalb des Körpers denken!

  • Auch die Vorstellung, daß vor und außerhalb von Ihnen jemand anderer für Sie spricht, kann Ihnen helfen, ebenso die Vorstellung eines leichten Schnupfens oder die eines Bienenschwarms oder einer großen Hummel, die Ihnen vor dem Gesicht herumfliegen und dort brummen.

  • Sprechen Sie also bitte IMMER "VORNE"!!! Vergessen Sie, daß Sie jemals einen Hals oder eine Kehle gehabt haben. Damit Sie Ihre Stimme "vorne" ansetzen können, dürfen Sie sie nämlich nicht mit dem Hals, der Zunge oder durch Zusammenbeißen der Zähne "absperren".

  • Wenn Sie die Tendenz haben, die Vokale "a", "e" und "i" hart, flach und kehlig bzw. mit starkem Glottisschlag zu sprechen, was unschön klingt und die Stimme sehr ermüden kann, so bemühen Sie sich bitte um "vorderen" Ansatz dieser Vokale. Sprechen Sie sie bitte mit weiterer Mundöffnung, dunklerer Farbe und mit mehr Resonanz. Die Spannung, die Sie bisher im Hals gefühlt haben, darf ausschließlich in der "Maske" liegen. Kennzeichen des guten Sprechens ist auch hier das Wegfallen jeglicher Anstrengung in Hals und Kehle.

  • Mit dem sogenannten Näseln oder durch die Nase Sprechen hat der Stimmsitz in der "Maske" übrigens nichts zu tun - im Zweifelsfall halten Sie sich beim Sprechen die Nase kurz zu: wenn Sie nun das Meckern eines Ziegenbocks oder Kaiser Franz Joseph persönlich zu hören vermeinen, dann klingt Ihre Stimme zu nasal. In diesem Fall suchen Sie bitte einen höheren Anschlagspunkt (Nasenwurzel) und verstärken die Vorstellung des Schnupfengefühls.

  • DAS ZUSAMMENWIRKEN VON "STÜTZE", "MASKE" (vorderem Stimmsitz) UND DEUTLICHKEIT IST DIE GRUNDLAGE DER SPRECHTECHNIK UND DES GUTEN SPRECHENS!

LITERATUR

ADERHOLD, Egon: Sprecherziehung des Schauspielers. Grundlagen und Methoden. 4. überarb. Aufl. Berlin 1993. (Henschel.)

BALSER-EBERLE, Vera: Sprechtechnisches Übungsbuch. Ein Unterrichtsbehelf aus der Praxis für die Praxis. Wien 1950 u.ö. (ÖBV.)

DRACH, Erich: Sprecherziehung. Die Pflege des gesprochenen Wortes in der Schule. 6., durchges. Aufl. Frankfurt am Main 1938. (Diesterweg.)

FIUKOWSKI, Heinz: Sprecherzieherisches Elementarbuch. 5., durchges. Aufl. Tübingen 1992. (Nimeyer.)

FRIEDRICH, Gerhard / Wolfgang BIGENZAHN: Phoniatrie. Einführung in die medizinischen, psychologischen und linguistischen Grundlagen von Stimme und Sprache. Bern u.a. 1995. (Huber.)

GOETHE, Johann Wolfgang von: Regeln für Schauspieler [1803/1824]. In: G., Berliner Ausgabe Bd. 17. Berlin u. Weimar 1970. (Aufbau-Verl.) S. 82-110. (Und in anderen Ausgaben!)

HERMANN-RÖTTGEN, Marion / Erhard MIETHE: Stimmtherapeutisches Programm. Basisübungen für die belastete oder geschädigte Stimme. Stuttgart u. New York 1990. (Thieme.)

HEY, Julius: Deutscher Gesangs-Unterricht. Lehrbuch des sprachlichen und gesanglichen Vortrags. I.: Sprachlicher Teil. Anleitung zu einer naturgemäßen Behandlung der Aussprache... Mainz u. Leipzig o.J. (Schott.) [Heutige Ausgabe: Der kleine

Hey. Die Kunst des Sprechens. Nach dem Urtext von Julius Hey neu bearbeitet und ergänzt von Fritz Reusch. Mainz u.a. 1956. (Schott.)]

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ROSVAENGE, Helge: Kleiner Leitfaden für Gesangsbeflissene. In: H. R., Mach es besser, mein Sohn. Ein Tenor erzählt aus seinem Leben. Leipzig 1962. S. 217-28.

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STEIL, Ferdinand: Deutsche Sprech- und Redekunst. Ein Leitfaden für Schule und Selbstunterricht. Zweite durchges. u. erw. Aufl. Wien u. Leipzig 1931 (û1928). (ÖBV.)